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Dez
10

Erbinformation der Darmflora weist Wege zu neuen Therapien

Die neu gegründete CeMeT GmbH aus Tübingen analysiert das Metagenom der Mikroorganismen im menschlichen Körper – Kooperationspartner gesucht

Erbinformation der Darmflora weist Wege zu neuen Therapien
Um die bakterielle Zusammensetzung der Probe zu bestimmen, wird die DNA sequenziert. (Bildquelle: CeMeT GmbH)

(Tübingen) – Die kürzlich gegründete CeMeT GmbH – Center for Metagenomics aus Tübingen in der BioRegion STERN will mit der Analyse der Erbinformationen von Mikroorganismen aus dem menschlichen Körper die Diagnostik und Therapeutik entscheidend voran bringen. Das Unternehmen bietet Ärzten und Wissenschaftlern, die die Zusammensetzung der Mikroorganismen eines bestimmten Lebensraumes analysieren wollen, ab sofort seine Dienste an. Derzeit ist die CeMeT GmbH auf der Suche nach Kooperationspartnern, um den Zusammenhang bestimmter Mikroorganismen und Krankheiten zu untersuchen.

Der menschliche Körper ist mit vielen Mikroorganismen wie Bakterien, Pilzen, Viren und Parasiten besiedelt. Die Mikrobiota – die Mikroorganismen eines abgrenzbaren Lebensraums – sind häufig nützlich und, beispielsweise bei der Verdauung oder bei der Immunabwehr, unverzichtbar. Sie können aber auch die Entstehung von Krankheiten wie Darmentzündungen, Diabetes, Krebs, Multiple Sklerose, Asthma oder Übergewicht begünstigen. Die Darmflora eines erwachsenen Menschen macht ein bis zwei Kilogramm seines Körpergewichtes aus. Allein das Mikrobiom im Darm hat rund 100 Billionen Zellen – zehnmal mehr als alle anderen Zellen des Menschen zusammen.
Das Metagenom – also die Gesamtheit der genomischen Information dieser Mikrobiota – zu analysieren und auszuwerten, hat sich die im Juli 2014 gegründete CeMeT GmbH – Center for Metagenomics aus Tübingen zur Aufgabe gemacht. Das analysierte Metagenom soll darüber Aufschluss geben, welche Mikroorganismen auf welche Weise an Krankheiten beteiligt sind, um dann neue Ansätze für Prophylaxe und Therapien entwickeln zu können. So könnte schon die gezielte Einnahme bestimmter Probiotika dazu beitragen, dass Medikamente besser wirken oder sogar abgesetzt werden können. Zudem gibt eine Analyse des Metagenoms oft mehr Aufschluss über die Krankheitserreger als routinemäßig eingesetzte Methoden, die häufig von der Anzucht der Erreger abhängig sind.
Ziel des Unternehmens ist es, in naher Zukunft als Dienstleister für Ärzte oder Wissenschaftler zu arbeiten, die die Analyse eines bestimmten Metagenoms – etwa zur Diagnose von Krankheiten – benötigen. Aber auch Privatpersonen, die sich für die Zusammensetzung ihres Metagenoms interessieren, können die CeMeT GmbH mit einer Analyse beauftragen. Momentan ist das neu gegründete Unternehmen auf der Suche nach potenziellen Projektpartnern für eine Kooperation, um Fördergelder der Bundesregierung oder der Europäischen Union zu beantragen.
Zu den Gründern der CeMeT GmbH gehören neben Geschäftsführer Dr. Dirk Biskup vom Tübinger Gendiagnostikunternehmen CeGaT GmbH, Prof. Dr. Ingo Autenrieth, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum Tübingen, Prof. Dr. Daniel Huson, Professor für Algorithmen in der Bioinformatik an der Universität Tübingen und Professor an der SCELSE, Nanyang University of Technology in Singapur, sowie Prof. Dr. Detlef Weigel, Direktor am Tübinger Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie und führender Evolutions- und Genomforscher, die als wissenschaftlicher Beirat fungieren.
Die CeMeT GmbH ist das erste deutsche Unternehmen, das sich mit einer derart beeindruckenden Expertise ausschließlich auf das Metagenom der Mikrobiota eines Ökosystems konzentrieren will. Geschäftsführerin Isabell Flade lässt denn auch keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Arbeit der CeMeT GmbH entscheidende Fragen der Diagnostik klären wird: “Mit der Bestimmung des Metagenoms können wir hoffentlich bald die Risikofaktoren für bestimmte Krankheiten erkennen, die dann mit Hilfe spezieller Probiotika oder gezielter Antibiotikatherapie individuell behandelt werden können.”

Bildquelle: CeMeT GmbH

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